Wir müssen langsamer wachsen. Die Lehren aus den Debatten um die Zuwanderung.

01.12.2014 / Leserbrief

Wir wachsen zu schnell. Der Motor ist überhitzt. Wir müssen den Mut aufbringen, weniger schnell wachsen zu wollen. Allerdings: Wenn der Motor überhitzt ist, dann ist es ein untaugliches Mittel, die obere Hälfte des Thermometers wegzuschneiden. Das hat Ecopop versucht, und erfreulicherweise haben drei Viertel der Stimmenden erkannt, dass damit nichts gewonnen ist. Jetzt gilt es, die richtigen Lehren aus den beiden Schicksalsabstimmungen dieses Jahres zu ziehen. In den letzten fünfzehn Jahren war die Schweiz eine gewaltige Job-Maschinerie: Zu Tausenden sind neue Stellen geschaffen worden. Seit Jahrzehnten haben wir eine tiefe Geburtenrate. Da ist es nur logisch, dass der einheimische Nachwuchs nicht ausreicht. Stoppen müssen wir das Anwerben von immer mehr Firmen mit immer neuen Lockvogel-Angeboten, egal ob aus dem Ausland oder aus anderen Regionen unseres Landes. Stoppen müssen wir Steuergeschenke und den ruinösen Steuerwettbewerb, der die Armen ärmer und die Reichen realitätsblind macht. Stoppen müssen wir die Gier nach immer mehr von allem: unsere private Gier, unsere Firmengier, unsere Gier als Nation und als Gesellschaft. Das erträgt die Erde nicht. Wir brauchen mehr Kreislauf statt Wettlauf. Also: Setzen wir uns bescheidenere Ziele. Weniger Standortförderung, weniger zusätzliche Arbeitsplätze, kürzere Pendelwege, keine neuen Einkaufstempel auf der grünen Wiese, keine neuen Bauzonen mehr, nur noch Entwicklung innerhalb der schon bebauten, aber schlecht genutzten Areale.  Wir müssen schnell den Dreh finden, um langsamer zu wachsen.

Felix Wettstein, Olten, Kantons- und Gemeinderat Grüne

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