Dem Steuerdumping endlich den Riegel schieben
Antwort auf Leserinbrief von Sabrina Weisskopf «Nein zur Initiative – aber sicher kein Ja zum Status Quo», Ausgabe vom 16. Juni 2026
Die Präsidentin der Solothurner FDP. Sabrina Weisskopf, will nach dem Nein zum 10-Millionen-Deckel in Sachen Bevölkerungswachstum nicht einfach beim Status Quo bleiben. Gut so! Allerdings verweist sie dann prompt auf die Asylthematik. Damit schiesst sie weit am selbst gesetzten Zeil vorbei. Die Tatsache, dass in der Schweiz in den letzten 15 Jahren die Zahl der Arbeitsplätze um 22 Prozent gestiegen ist, deutlich stärker als die Bevölkerungszahl (diese nahm immerhin auch um fast 16 Prozent zu) hat mit der Asylthematik rein gar nichts zu tun. Wenn wir die Geflüchteten aus der Ukraine abziehen, machen Asylsuchende gerade noch 7 Prozent der Zuwanderung aus. Und aktuell sinken die neuen Asylgesuche deutlich, wie am 15. Juni in dieser Zeitung zu lesen war. Wenn also die Beanspruchung der Infrastruktur für die FDP tatsächlich ein Problem ist, muss sie die Ursachen ganz woanders suchen. Unter anderem bei sich. Die Schweiz ist ein «Job-Motor» sondergleichen. Mit Gewinnsteuersätzen, die viel tiefer sind als in allen benachbarten Metropolitanregionen, werden laufend neue Firmen angelockt, samt ihren Arbeitskräften. Einkünfte aus Dividenden werden zu einem unanständig tiefen Sondersatz besteuert. Zudem überbieten sich die Kantone gegenseitig mit ihrem Steuerdumping. Treibende Kraft ist nicht zuletzt die FDP. Sie will das BIP pro Kopf der Bevölkerung laufend noch mehr in die Höhe schrauben. Bisher hat sie viel Erfolg damit. Aber dieser Motor ist massiv überhitzt! Gehen wir doch endlich dazu über, weniger stark wachsen zu wollen. Leben statt Profit.
Felix Wettstein, alt Nationalrat GRÜNE, Olten