Die Erklärungen, warum die Krankenkassenprämien ansteigen, klingen vertraut: «höhere Lebenserwartung, Leute gehen mehr zum Arzt, Preise der einzelnen Behandlungen steigen». Doch stimmt das? Schon vor gut zehn Jahren, als die Lebenserwartung noch schneller stieg als heute, wurde errechnet: Die Zunahme an Altersjahren erklärt nur etwa 20 Prozent des Kostenanstiegs. Gehen die Menschen tatsächlich mehr zum Arzt? Mir ist nicht bekannt, dass das schon jemals mit Fakten belegt wurde. Jedoch: Wenn sie sich in Behandlung begeben, kommen sie mit einer teureren Rechnung nach Hause. Das ist nicht bloss damit zu erklären, dass die Patientinnen und Patienten höhere Ansprüche hätten. Vielmehr ist es immer noch lukrativ, aufwändig statt «sanft» zu behandeln und auch mal eine Massnahme oder ein Medikament nachzuschieben, ohne dass dies ein Gewinn für die Gesundheit wäre. Ja, wir alle wollen Qualität. Überversorgung samt dem Risiko von mehr Komplikationen ist leider noch nicht verbannt. Die marktwirtschaftlichen Zwänge («das Spital muss wieder rentieren») und Anreize, verbunden mit dem Automatismus der Bezahlung, treiben die Kosten nach oben.

Felix Wettstein, Nationalrat GRÜNE, Olten